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Am Tag der Deutschen Einheit (10.03.2015)

2015-10-03

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Roland Polaschek,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Flavien Neuvy,
liebe Freunde von Gerstetten,
sehr geehrte Damen und Herren!

Es ist eine große Freude für mich, den Tag der Deutschen Einheit hier in Gerstetten, mit Ihnen gemeinsam feiern zu können - den 25. Jahrestag des Beitritts der auf dem Gebiet der ehemaligen DDR neu gegründeten Länder der Bundesrepublik Deutschland.

Herr Bürgermeister Roland Polaschek lädt mich seit langen Jahren immer wieder zu dieser Feierlichkeit ein, es kam bisher aber immer etwas dazwischen, was mich an der Teilnahme hinderte. Ich freue mich also besonders, die Einladung jetzt, am 25. Jahrestag angenommen haben zu können. Dies ist eine große Freude, weil der 3. Oktober meiner Überzeugung nach nicht nur der entscheidende Augenblick im Werdegang der deutschen Einheit, sondern zugleich auch der der europäischen Einheit war. Und die Einheit Europas war für uns eine mindestens so große Freude wir für die Deutschen.

Diejenigen, die nach dem zweiten Weltkrieg in der glücklicheren, westlichen Hälfte Europas lebten, können sich vielleicht gar nicht vorstellen, welche Freude die Wende von 1989/1990, der Fall der kommunistischen Diktaturen und Diktatoren, der Abzug der Besatzungstruppen der sowjetischen Armee, die Einführung des Mehrparteiensystem, die Marktwirtschaft und die Demokratie für uns Osteuropäer - Ostdeutsche, Ungarn und andere - bedeutet hatte. Denn nur diejenigen können die Bedeutung der Freiheit verstehen, die schon in Unterdrückung gelebt haben. Und was die Demokratie wert ist, kann nur jener verstehen, der schon in der Diktatur gelebt hatte. Und was die Unabhängigkeit wert ist, kann nur jener verstehen, der schon in einem besetzten Land gelebt hatte.

Wir, die Völker der zum Ostblock gehörenden Länder, lebten 40 Jahre lang in Unterdrückung: unter der Herrschaft der sowjetischen Besatzer und ihrer Statthalter, in der Diktatur des kommunistischen Einparteisystems, im Sowjetsystem, im ideologischen Terror des Atheismus und Kommunismus, im Klassenkampf, in weltanschaulicher Unterdrückung und Religionsverfolgung. Wir haben in der kollektivierten Landwirtschaft, in den verstaatlichten Betrieben gearbeitet, in den ideologische Kämpfe führenden staatlichen Schulen gelernt, die primitiven Vorschriften der Planwirtschaft durchgeführt, die Armut und die Demütigungen erduldet.

Es gab viele, die sich mit dem System versöhnten und der kommunistischen Partei beitraten, ihre Weltanschauung, und ihre Prinzipien und Überzeugungen verleugnend, immer wieder die obligatorischen Lügen wiederholten. Diejenigen, die nicht dazu bereit waren, waren Bürger zweiter Klasse und der Hochschulunterricht, das öffentliche Leben, das wirtschaftliche und wissenschaftliche Leben, sowie der materielle Wohlstand blieben ihnen verwehrt. Aber auch die Verräter haben sich nur relative Vorteile verschafft: winzige Begünstigungen innerhalb der allgemeinen Armut und Unterdrückung. Die Freiheit und die entwickelte westliche Welt war auch für sie in einer unerreichbaren Ferne.

Und dann, fast wie im Wunder, änderte sich alles während einiger Monate oder Jahre. Michail Gorbatschow, der aus der neuen Generation kommende Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion verkündete im Februar 1986, am 27. Parteitag das Programm der "Glasnost" (Offenheit), der "Perestroika" (Umgestaltung) und der "Uskorenije" (Beschleunigung der wirtschaftlichen Entwicklung). Im Jahre 1988 verkündete er, dass die Sowjetunion mit der Breschnew-Doktrin bricht und den Ländern des Ostblocks ermöglicht, ihre inneren Angelegenheiten selbst zu bestimmen.

Damit war der Geist aus der Flasche. Zuerst in Ungarn, und dann nach und nach auch in den anderen osteuropäischen Ländern begann der Kampf für den Umbau und die Eliminierung des kommunistischen Systems. In Ungarn wurden 1987 oppositionelle Organisationen und ab 1988 auch Oppositionsparteien gegründet. Im Frühling 1988 fanden Demonstrationen gegen das Wasserkraftwerk Bős-Nagymaros statt. Im Februar 1989 haben der ungarische Ministerpräsident Miklós Németh und der österreichische Bundeskanzler Franz Vranitzky die Eliminierung des österreichisch-ungarischen Grenzzauns vereinbart. Im April hat man mit dem teilweisen Abzug der "vorübergehend" in Ungarn stationierenden sowjetischen Truppen begonnen. Im Mai wurde János Kádár - als erster unter den osteuropäischen Parteivorsitzenden - seines Amtes als Generalsekretär der ungarischen kommunistischen Staatspartei enthoben. Am 19. August 1989 flohen mehrere hundert DDR-Bürger über die anlässlich des Paneuropäischen Picknicks neu geöffnete österreichisch-ungarische Grenze nach Österreich. Nach mehr als zwei Wochen, am 10. September 1989 verkündete die ungarische Regierung, dass sie die Ausreise der ostdeutschen Staatsbürger in andere Länder am nächsten Tag ab 0 Uhr ermöglicht. Nach kurzer Zeit haben die Tschechoslowakei, dann auch die DDR ihre Grenzen zur Bundesrepublik geöffnet und am 9. November, abends um 23 Uhr erhoben sich auch die Schranken bei der Grenzübergangsstelle Bornholmer Straße...

Von da an gab es kein Halten mehr: in den nächsten paar Monaten löste sich das Sowjetreich auf, die Teilung Europas wurde Vergangenheit und die Europäische Einheit wurde geboren. Und die ehemaligen sozialistischen Länder - die Freiheit nutzend - traten den Weg zum Ausbau der Rechtsstaatlichkeit, der pluralistischen Demokratie und der Marktwirtschaft an, und traten nach und nach, je nach Möglichkeit, der NATO und dann der Europäischen Union bei. Die ehemaligen sozialistischen Länder machen heute mehr als ein Drittel der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union aus und wir versuchen, gemeinsam mit den alten Mitgliedern durchzukommen.

Liebe Freunde!

Natürlich gibt es zwischen uns Unterschiede im Denken, in den Interessen, Umständen, Zielen und Möglichkeiten. Wir müssen aber danach streben, genau wie 1989/1990, die auf gegenseitigen Vorteilen beruhende korrekte Zusammenarbeit immer weiter zu entwickeln. Nur so haben wir die Chance, das Wesen von Europa: die auf dem christlichen Glauben und Moral, sowie auf der alten griechisch-römischen Kultur basierende, demokratische und sozial empfindliche gesellschaftliche Ordnung zu bewahren.

Das vereinigte Europa wird nämlich heute mit großen - inneren und äußeren Herausforderungen konfrontiert. Unter der inneren Herausforderungen möchte ich z.B. die Überalterung der Gesellschaft, die niedrige Geburtsrate, die moralisch-weltanschauliche Erschöpfung, die Krise der Familien, die Expansion der sozialen Devianz erwähnen; und unter den äußeren Herausforderungen den globalen Wettbewerb, die bewaffneten Konflikte, den Klimawechsel, die Umweltverschmutzung, oder die neueste, die Migration von nie gesehenem Ausmaß.

Ich bin überzeugt, dass wir diese Herausforderungen nur dann bestehen können, wenn wir die gemeinsamen Grundlagen unseres europäischen Hauses festigen: wenn wir unser christliches Engagement erneuern, wenn wir unter allen Umständen auf der Wahrheit und der Gerechtigkeit bestehen, die Freiheit von anderen berücksichtigen und die Nächstenliebe praktizieren. So können wir stark genug sein, unseren eigenen Wohlstand zu bewahren und überall zum Frieden, zum Wohlstand und zur Freiheit beizutragen - in Syrien, im Irak, in Afghanistan, Pakistan Schwarzafrika, und in der ganzen Welt.

Mit der Kraft der kleinen Leute, sowie mit der Arbeit von wohlwollenden, opferbereiten und mutigen Politikern, wie Altbundeskanzler Helmuth Kohl und Michail Gorbatschow, ist dies alles möglich. Wie dies auch möglich war im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts, bei der Schaffung der deutschen Einheit und der europäischen Einheit.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

Gerstetten, am 3. Oktober 2015